Schreibweise: Die etwas andere Krise rund um das Coronavirus – Tipps von der Texterin

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Das neuartige Coronavirus hat uns vor bisher ungekannte Herausforderungen gestellt. Zwischenmenschlich: Sind Umarmungen jetzt noch okay? Beruflich: Wie arbeite ich effektiv von zu Hause aus? Aber SARS-CoV-2, wie das Virus eigentlich heißt, hat auch unsere Kommunikation auf den Kopf gestellt. Wie fasst man eine Situation, die für alle neu ist, in Worte?

Heißt es der oder das Virus?

Das beginnt bereits mit der Frage: Sagt man nun der oder das Virus? Beides ist möglich. In der medizinischen Fachsprache ist aber „das Virus“ die richtige Wahl. „Der Virus“ existiert als Nebenform und gilt eher als umgangssprachlich. Es gibt jedoch einen Bereich, wo der maskuline Artikel auch fachlich vollkommen korrekt ist: in der IT. Hier ist es „der Computervirus“ – und nicht etwa „das“. Kommt die Artikel-Frage rund um das Thema „Virus“ auf, musst du also mit einer Gegenfrage aus dem Lektorat rechnen: „Wer oder was ist denn infiziert – ein Mensch oder ein Computer?“

Coronavirus oder Corona-Virus: Wie schreibe ich es richtig?

Nachdem die eine Frage geklärt wurde, ob SARS-CoV-2 nun männlichen oder sächlichen Geschlechts ist, taucht gleich die nächste auf. Denn ganz ehrlich: Mit „SARS-CoV-2“ nennen wir die neue Krankheit zwar beim Namen, aber leicht auszusprechen ist das nicht. Schnell hat sich daher die Kurzform „Corona“ eingebürgert, was zu erheblicher Verwechslungsgefahr mit einer bekannten Biermarke geführt hat.

Was das mit dem Bier zu tun hat

Tatsächlich hat das Brauereiunternehmen Profiteinbußen verzeichnet. Das hat sicherlich nicht nur mit der Angst zu tun, sich bei einem Bierchen mit dem Virus zu infizieren, sondern lag auch daran, dass die Produktion an verschiedenen Standorten zum Erliegen kam. Nämlich dort, wo nur noch Geschäfte und Einrichtungen geöffnet hatten, die zur kritischen Infrastruktur gehören.

Einfach eine weitere Art der Zusammenschreibung?

Die Kurzform „Corona“ brachte aber nicht nur den Bierproduzenten in die Bredouille. Sie sorgte auch für weitere Wortschöpfungen wie „Corona-Krise“, „Corona-Pandemie“ und sogar „Corona-Virus“. Während die Kurzformen „Corona-Krise“ (statt „Coronavirus-Krise“) und „Corona-Pandemie“ (statt „Coronavirus-Pandemie“) einfach prägnante Schlagworte ergeben, die so manchen Texter und so manche Texterin angesichts von häufig festgelegten Zeichenbegrenzungen vor einem Nervenzusammenbruch bewahrt haben, verursachte die Wortblüte „Corona-Virus“ (hoffentlich) maximales Kopfschütteln in der Redaktion. Aber wieso eigentlich?

Tatsächlich gibt es zwei Möglichkeiten, im Deutschen zusammengesetzte Substantive zu bilden: durch Zusammenschreibung und mit Bindestrich. Damit sollte doch „Corona-Virus“ kein Problem für das Lektorat darstellen, oder etwa doch? Doch.

Eigenname: Deshalb gilt nur diese eine Schreibweise als korrekt

Denn beim Coronavirus handelt es sich um einen Eigennamen, der dementsprechend nicht zu verändern ist. Während SARS-CoV-2 neu für uns alle ist, gilt das streng genommen nicht für das Coronavirus an sich. Wenn du eine Katze hast, hast du vielleicht schon vom Felinen Coronavirus gehört, das die Krankheit Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) auslösen kann.

Fakt ist: Es gibt mehrere Coronaviren. Und FIP ist seit den 1960er Jahren bekannt – so auch spätestens ab diesem Zeitpunkt der Begriff „Coronavirus“ (zusammen und ohne Bindestrich). In der Fachsprache ist von Coronaviridae die Rede. Mediziner und Medizinerinnen bezeichnen damit eine ganze Virusfamilie – nämlich die der Coronaviren.

Funfact: Ihren Namen haben diese Viren übrigens ihrem Aussehen (unter dem Mikroskop) zu verdanken.

Die kreisförmigen Erreger mit zahlreichen Spikes an der Oberfläche erinnern an einen Kranz oder eine Kronelateinisch: corona. Und damit kommen wir auch zum Bier zurück: In Mexiko sollte ein Bier gebraut werden, das der spanischen Krone gerecht werden sollte. Neben einem Fabelwesen finden wir daher auch eine Krone auf dem Flaschenetikett.

Erreger oder Krankheit: Wann sage ich SARS-CoV-2 und wann COVID-19?

Mit der Schreibweise haben wir aber erst an der Oberfläche gekratzt. Zeit, tiefer in das Thema vorzudringen! Schließlich lesen wir seit dem Ausbruch der Pandemie immer wieder zwei Fachbegriffe: SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) und COVID-19 (coronavirus disease 2019). Wo ist jetzt der Unterschied?

Ganz einfach: SARS-CoV-2 bezeichnet das Virus, mit dem wir uns infizieren können. Das ist der Erreger, der unsichtbar in der Luft herumschwirrt und von an COVID-19 Erkrankten, aber auch von Menschen, die keine Symptome wie Atemwegsbeschwerden zeigen, verbreitet werden kann. Am häufigsten steckt man sich durch Tröpfcheninfektion an.

Nicht jede*r, der oder die mit dem Virus in Kontakt kommt, beklagt später (nach Ablauf der sogenannten Inkubationszeit) auch Beschwerden. In einem solchen Fall ist der Krankheitsverlauf asymptomatisch. Aber in der Regel sind die Betroffenen dennoch für andere ansteckend. Hier kommt der Mund-Nasen-Schutz als eine zusätzliche Barriere ins Spiel, welche die Ausbreitung verhindern bzw. verlangsamen soll. Denn Tröpfchen, wie sie beim Sprechen, Niesen, Singen usw. entstehen, müssen dann erstmal durch den Stoff.

Wer Atemwegsbeschwerden und andere typische Symptome nach einer Infektion zeigt, ist an COVID-19 erkrankt. Das heißt: Wir unterscheiden zwischen Erreger (SARS-CoV-2) und Krankheit (COVID-19). Das gilt auch für andere Krankheiten wie zum Beispiel Röteln (verursacht durch Rubellaviren) oder AIDS (verursacht durch HIV).

Aufgepasst: Weitere Stolperfallen beim Texten

Der Lockdown oder Shutdown – was hat eigentlich so viele ins Homeoffice (oder Home-Office) befördert? Beide Begriffe sind hierzulande nicht gerade geläufig. Sie stammen aus den USA.

Shutdown oder Lockdown – was meint was?

Als „Shutdown“ bezeichnet man dort eine Schließung des gesamten staatlichen Verwaltungsapparates. Das passiert, wenn sich das Abgeordnetenhaus und der Präsident nicht über den Haushaltsplan einig werden. Die Folge: Die Gehälter für Staatsbedienstete werden eingefroren. Bezogen auf die Situation um das neuartige Coronavirus meint man mit „Shutdown“ meist die wirtschaftlichen Auswirkungen: Die Produktion kommt zum Erliegen und viele Geschäften haben geschlossen.

Anders ist das beim „Lockdown“. Kommt es zu einem Attentat oder Amoklauf oder einem ähnlich bedrohlichen Ereignis für die allgemeine Öffentlichkeit, werden oft Gebäude abgeriegelt und es gibt Ausgangsbeschränkungen oder -verbote. Es kommt zum Lockdown.

Geht das: „Ich arbeite Zuhause im Home Office“?

Wenn du deine Situation während der Corona-Krise so beschreibst, schlägt das Rechtschreibprogramm zwar nicht Alarm, aber im Lektorat klingeln trotzdem die Alarmglocken. Unter anderen Umständen sind „Zuhause“ und „Home Office“ durchaus erlaubte Schreibweisen – nur nicht in diesem Kontext.

Merke: Du bist zu Hause (oder: zuhause). Aber: Das ist dein Zuhause.
Außerdem: Ich arbeite im Homeoffice (oder: Home-Office). Aber: Das britische Home Office (das britische Innenministerium) – und nur das schreibt sich ohne Bindestrich, mit Leerzeichen und jeweils Großbuchstaben am Anfang.

Funfact: Wenn du deine Situation auf Englisch schildern möchtest, schreibst du am besten: „I work from home.“ Bitte nicht: „I’m doing home office right now.“ Du machst ja auch nicht Arbeitszimmer, oder? ?

Wenn du trotz dieser Erklärungen immer noch die Krise kriegst, beauftrage doch mich als Texterin mit deinen Schreibarbeiten. Dabei muss es natürlich nicht um das Coronavirus gehen, aber gerne unterstütze ich dich auch in diesen bewegten Zeiten. Bist du lediglich unsicher, ob jetzt alles stimmt und gut klingt? Dann stell hier deine Anfrage für ein Lektorat vom Wort-Katalog.

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